DFG Netzwerk

Religion im Plural

Wahrnehmung religiöser Differenzierung im Spiegel der Künste, Theologien 

und Gesellschaft im langen 19. Jahrhundert

Das DFG-Netzwerk »Religion im Plural« untersucht in interdisziplinärer Perspektive, wie die zunehmende religiöse Differenzierung im langen 19. Jahrhundert in bildender Kunst, Musik, Architektur, Theologien, religiöser Praxis und gesellschaftlichen Institutionen gestaltet, artikuliert und gedeutet wurde. Religion wird sowohl als institutionell-kollektive wie auch als spirituell-individualisierte Religiosität verstanden, wobei sie nicht nur auf den Rahmen der katholischen und protestantischen Kirchen und des Judentums beschränkt bleibt, sondern auch hinsichtlich anderer religiöser, philosophischer und weltanschaulicher Formationen perspektiviert wird. Die Expertisen der 16 Mitglieder liegen in der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, evangelischer und katholischer Theologie sowie Jewish Studies.

Thema

Das lange 19. Jahrhundert war ein von der Religion und der zunehmenden Pluralität religiöser und weltanschaulicher Vielfalt geprägtes Zeitalter. Restaurative Bewegungen in Katholizismus und Protestantismus manifestierten sich nicht nur in Liturgie und Theologie, sondern auch in bildender Kunst, Musik und Architektur: die Revitalisierung religiöser Malerei in der produktiven Wiederentdeckung italienischer und ›altdeutscher‹ Kunst der Renaissance, die Rückbesinnung auf die ›wahre Kirchenmusik‹ vergangener Jahrhunderte und das revival frühchristlicher, romanischer und gotischer Baustile in der Sakralarchitektur. 
Gleichzeitig sahen sich die Kirchen in ihrem Anspruch auf Glaubenswahrheit und Welterklärungshoheit mit einer zunehmenden Konkurrenz durch andere religiöse, philosophische und weltanschauliche Formationen konfrontiert: von außereuropäischen Religionen über naturwissenschaftliche Evolutions- und Weltentstehungstheorien bis hin zum Analysemodell der menschlichen Psyche – eine Pluralität an Deutungssystemen, die sich auch und gerade im künstlerischen Schaffen niederschlug. 

 

Fragestellung

Welche ›produktive Kraft‹ setzte die sich ausdifferenzierende interkonfessionelle bzw. interreligiöse Konkurrenz frei und wie schlug sich dieser Wandel in bildender Kunst, Musik, Architektur, Literatur, Liturgie, Theologie, Historiographie und Recht nieder? Wie wurde die religiöse Differenzierung von den Zeitgenossen wahrgenommen, artikuliert und künstlerisch problematisiert?


15 Teilprojekte

Die in den 15 Teilprojekten analysierten künstlerischen, theologischen und gesellschaftlichen Phänomene reichen von der Kirchenmusik, Oper und ›absoluten Musik‹, der religiösen Historienmalerei, Sepulkralskulptur, Architektur und der Künstlerkonversion über liturgiepraktisches Schrifttum, Kirchengeschichtsschreibung, Erziehungs- und Schulwesen bis hin zur Rechtsprechung. Die Expertisen der Mitglieder liegen in der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, evangelischer und katholischer Theologie sowie Jewish Studies. 

Leitung


Dr. Tobias C. Weißmann
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft
Abteilung Musikwissenschaft
D-55099 Mainz
E-Mail: [email protected]



Prof. Dr. Maren Bienert
Universität Hildesheim

Institut für Evangelische Theologie

Universitätsplatz 1

31141 Hildesheim

E-Mail: [email protected]
 

Abbildungsnachweis:
Caspar David Friedrich, Das Kreuz im Gebirge (Tetschener Altar), 1807/1808, Öl auf Leinwand, Detail, © Albertinum | Galerie Neue Meister,
Gal.-Nr. 2197 D, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut
Kampf zwischen den Engeln des Lichts und den Dämonen der Finsternis, Illustration zum 3. Akt von Alberto Franchettis Oper Asreal (1888), Liebig-Sammelbild, Privatbesitz
Kölner Dom, Südwestfassade, um 1865, Albuminpapier, Rijksmuseum Amsterdam, RP-F-F06050
Friedrich Oberbeck, Der Triumph der Religion in den Künsten, 1829–1840, Öl auf Leinwand, Städel Museum Frankfurt am Main, Inv. 891